Ein Baum und seine Abenteuer



Beijing

Ich und die Mauer. Ja, jetzt war ich wirklich in China.
Ich und die Mauer. Ja, jetzt war ich wirklich in China.

So habe ich mich also auf gemacht, Beijing (Pekin) zu erkunden. Denn wer in China war, der hat ja wohl wenigstens die große Mauer, die Verbotene Stadt und Shanghai gesehen.

I'm a legal alien

Zu meiner großen Freude, ist eine Bekannte zum Studium nach Beijing gezogen, wodurch ich jetzt in ihrer WG auf der Couch hausen kann. Die wohnen zwar etwas außerhalb, aber das sei ihnen mal grade so verziehen.

Bei Freunden wohnen ist ja ganz entspannt, man fährt da hin, pennt da, fährt wieder weg. Außer, man ist Ausländer in China. Dann muss man immer "registriert" sein. Das machen für gewöhnlich die Hotels für einen. Sonst muss man, für gewöhnlich, zur Registrierungsstelle des Gastgebers und sich dort für die Dauer seines Besuchs anmelden. Versuchen wir das also mal.

Und so begann die erste Odyssee. Zur Meldestelle, de arbeiten Samstags nicht wirklich und wissen dann nicht, ob sie a) zuständig sind und ob ich mich b) für 9 Tage registrieren muss. Okay, super Organisation hier. Aber nicht verzagen, die nächstgelegene Polizei finden. Dabei dreimal verlaufen und ein super american Diner finden. Dort angekommen wollen die nur: meinen Ausweis, den Mietvertrag und eine Kopie des Ausweises des Vermieters. Dumm, wenn der Vermieter eine Firma ist, die halt keinen Ausweis hat. Also so lange die Polizei nerven, bis irgendein Ausweis es tut. In diesem Fall der vom Hauptmieter. Wieder zur Polizei, eine Sache von einer Viertelstunde, schon überraschen lang wie ich finde.

Und nun endlich, bin ich legal hier, mit extra kleinem Zettel und alles. Hat auch nur den besten Teil des Tages gekostet.

Dann noch schnell in die Stadt und feststellen, dass es das Beste Essen im zweiten Untergeschoss gibt.

Sie mich auch

Am nächsten Tag steht die Mauer an. Ein Muss für alle Touristen, sie strömen zu hunderten, ja zu tausenden nach Badaling, wo ein Stück der Mauer rekonstruiert wurde. So auch wird. Meinem Reiseführer für China folgend buchen wir über das Beijing Travel Center eine Fahrt. Und los geht’s.

An der großen Mauer angekommen, fahren wir mit einer Seilbahn nach oben. Hier sind sofort so viele Menschen, man kommt keinen Schritt weiter. Doch je weiter wir uns die steile Mauer hinaus kämpfen und anschließend ihrem gewundenen Pfad folgen, desto leerer wird sie. Und malerisch ist sie allemal, zieht sich bis zum Horizont durch die Berge. Folgt dem hügellichen auf und ab. Ab und an von Wachtürmen unterbrochen setzt sie sich scheinbar ewig fort.

Und wir stellen fest, unsere Tour ist der Typische Touristenbetrug. Nach dem recht kurzen Ausflug an die Mauer soll es ein Mittagessen und ein Besuch bei den Gräbern der Ming Dynastie geben. Mittagessen stellt sich als so widerlich heraus, das die Kinder unter weinen protestieren und nicht essen wollen, während um uns herum Bedienungen laufen und versuchen uns richtiges Essen zu verkaufen, zu absurden Preisen. Zum Glück habe ich noch ein paar Kekse dabei. Die nächsten fünf Stunden karrt man uns dann durch eine Falle nach der nächsten. Allgemein immer gleich aufgebaut. Da gibt es lange, sich windende Gassen, zu beiden Seiten gesäumt von Verkäuferinnen hinter Tresen, die uns Schmuck, Souvenirs oder Süßigkeiten andrehen wollen. Am Eingang gibt es eine neue Ausrede, aller "hier können Sie die Pekingente probieren", oder "sich hier verewigen bringt glück". Dann gibt es einen kleinen Raum, in dem Pekingente gart und anschließend eine Halbestunde Kommerz.
Da dauert es nicht lange und schon steht allen der Hals bis hier. Aber der Chinese weiß sich ja zu benehmen und so geht sie weiter unsere lustige fahrt. Ohh ja ich als Ausländer durfte dann auch 50RMB mehr zahlen, als alle anderen und Autumn, die mit mir unterwegs war gleich 90RMB mehr, ich habe noch einen "Studentenrabatt" bekommen. Den Tourguide zu labern hat am Ende nichts gebracht, nur Lappe 100RMB hat er wieder raus gerückt. So hat der ganze Spaß dann immer noch 580RMB (82€) für zwei Leute gekostet.

Sommerpalast

Am Montag dann also auf eigene Faust los. Bloß keine Reisgruppen mehr. Und zum Sommerpalast. Hier fühle ich mich wie am West Lake in HangZhou, auch wenn dieser See umgeben von Parkanlagen und im Norden flankiert von einem Hügel nicht ganz so groß, wie der West Lake, ist. Die Promenade des Sees lädt zum Schlendern ein, ich hab eh den ganzen Tag nichts anderes geplant, der Palast liegt am anderen Ende der Stadt. Und so spaziere ich erst einmal gemütlich am Wasser entlang, bevor ich mich mit Audioguide bewaffnet in den Palast selbst stürze.

Der See des Sommerpalasts ist dem West Lake nachempfunden.
Der See des Sommerpalasts ist dem West Lake nachempfunden.

Hauptsächlich hat hier einmal die Kaiserin CiXi gewohnt, die quasi Herrscherin der letzten 48Jahre Kaiserzeit in China. Sie lebt hier im Palast und das nicht auf kleinem Fuße. Andauernd wird auf die Invasion im Jahre 1860 hingewiesen und das der Palast anschließend neu aufgebaut wurde.

Neben den grandios gestalteten Höfen und einem langen, überdachten Weg bietet der Palast vor allem zwei Tempel. Der eine überragt den gesamten Palast und wurde wohl später hauptsächlich für Feiern genutzt. Der andere wurde einst gebaut um den Minderheiten im Land Tribut zu zollen.

China Museum

Das Nationalmuseum kostet keinen Eintritt, sondern nur eine Stunde Schlange stehen. Die Audioguides sind leider Ausverkauft, also schlendere ich einfach so durch die Ausstellung des antiken China. Es gibt wirklich interessant Unterschiede, wie hier einst die ersten Siedlungen entstanden, im Gegensatz zu Europa nicht in großen Häusern, die ganze Clans fassen, sondern viel mehr als Ansammlung kleinerer Hütten. Eher mit Gräben, als mit einfachen Zäunen. Dann gab es hier Jade und Seide schon sehr früh, kein Wunder wir haben das schließlich später über die Seidenstraße gekauft.

Die Geschichte des Landes China lässt sich scheinbar zusammenfassen als ein sich widerholender Zyklus von Kaisern, die das Land mit eiserner Faust einen, aber schnell durch Rebellion abgelöst werden, worauf eine Zeit der Blühte folgt, dann zersplittert das Land langsam aufgrund seiner vielen Kulturen, bis es wieder von vorne los geht. Die Infotafeln zu den einzelnen Epochen sind recht aussagekräftig, da steht also auf jeder: "In einer Zeit sind gute Dinge passiert", wow.

Reißt mich nicht wirklich mit, aber es ist schön mal was über das alte China zu lernen. Allgemein bin ich nicht von der Qualität chinesischer Museen angetan. Da stehen zwar immer super Exponate, aber mir fehlt halt zu oft der Kontext. Ich finde die Einordnung einfach zu grob, da steht dann zwar "in der Dynastie war dies eine Errungenschaft" aber wann war noch gleich die Zhou Dynastie? Wieso war das eine Errungenschaft? Wie hat sich die dargestellt? Die Landwirtschaft halt also Fortschritte gemacht, aber gab es neue Werkzeuge? oder war einfach mal lange genug Frieden, dass die Leute tatsächlich zum Bestellen ihrer Ländereien gekommen sind.

Schön anzusehen ist die Ausstellung zu zeitgenössischer Kunst. In dieser Hinsicht bin ich ja wirklich von China angetan. Nicht so sehr von den übergroßen Holzmöbeln. Aber von den filigranen Holzschnitzereien, den Gemälden und Statuen, die modern sind und och von ihren traditionellen Wurzeln zeugen.

Das Museum ist eines dieser Bauwerke, von denen ich immer dachte es gibt sie eigentlich nur in Minecraft, wenn Leute mal so richtig angeben wollen. Aber die Decke ist halt einfach vier Stockwerke über einem, und das andere Ende der Eingangshalle verliert sich schon fast im Horizont.

Ohh und hier gibt es im Untergeschoss die beste Pekingente der Stadt.
Ohh und hier gibt es im Untergeschoss die beste Pekingente der Stadt.

Verbotene Stadt

Heute der Öffentlichkeit zugänglich ist der Teil Pekings, in dem früher nur die Kaiser und ihre Vertrauten sein durften. Hier haben sie früher regiert und gewohnt, Feste abgehalten und Tempel besucht. Der Komplex verdient durch aus die Bezeichnung als Stadt. Von einer dreißig Meter hohen Mauer und einem Wassergraben umgeben, unterteilt die Verbotene Stadt sich in einen äußeren und inneren Bereich. Im äußeren wurden Erlasse verlesen, er ist geprägt von großen Hallen, Tempeln und Plätzen. Hier wurden Bankette gefeiert und Traditionen genüge getan. Der innere Bereich ist noch einmal unterteilt und besteht zum größten Teil aus kleinen Wohnpalästen. Dies sind meist große Hauptgebäude, für einen Angehörigen der Kaiserfamilie oder eine Konkubine, umgeben von kleineren Gebäuden für Bedienstete und Dinge wie Küchen. Sie sind jeweils mit einer Mauer umfasst. Dann liegt im inneren Bereich noch der Garten des Palasts, seine Schatzkammer und einige weitere Hallen für öffentliche Angelegenheiten.

Beeindrucken tut hier einfach die schiere Größe! Da ist halt einfach ein Platz für tausende von Leuten und noch einer und noch einer. Und diese Anlage ist nur für den Kaiser und seine Vertrauten da. Es vermittelt schon einen Eindruck davon, wie Mächtig die chinesischen Kaiser einst waren.

Tempel und Plätze

Dann gibt es in Peking noch den Platz des himmlischen Friedens, der größte Platz der Welt, aber im Grunde auch nur eine gepflasterte Fläche. Dann den Himmelstempel, der eines der Wahrzeichen der Stadt ist und nach all den anderen Tempeln im Grunde nur noch erwähnenswert, weil der rund ist. Einen Lama Tempel, wirklich schöne Statuen und eine Beeindruckende Statue, 26 Meter hoch aufweist. Einen Tempel des Konfuzius, bei dem hauptsächlich Aufführungen traditioneller Tänze begeistern, und der viel über die Auswahl der Beamten im alten China lehrt. Allerdings auch nicht wieder so richtig, denn der Informationsgehalt ist so auf dem Level von "Gesetze gegen Schummeln wurden erlassen und haben geholfen" und ich wieder so "wooooow".

Der Lama Tempel beeindruckt dann doch.
Der Lama Tempel beeindruckt dann doch.

#IchWarDa

Ich merke selbst, dass ich zwar all diese Orte besuche und fleißig Bilder mache (naja mehr oder weniger), aber so richtig mitzureißen, vermögen sie mich nicht. Es ist interessant, mir von Audioführer erzählen zu lassen, wie dieser Tempel zustande kam und der Lama Tempel in Beijing sieht zum ersten Mal anders aus, als alle anderen Tempel, weil er ursprünglich mal eine Wohnanlage war. Aber so richtig mitreißen tut mich das dann auch nicht.

Ich hab das jetzt alles Mal gesehen. Die große Mauer und die verbotene Stadt waren beeindruckend und jetzt kann ich sagen, wirklich mal in China gewesen zu sein. Aber meine Reiselust scheint grad ihre Midlifecrisis zu haben.

Author

Portrait picture of Hendrik

I am a JavaScript and GenAI Enthusiast; developer for the fun of it!
Here I write about webdev, technology, personal thoughts and anything I finds interesting.

More about me

Read next

Suzhou

Laterne über einem Kanal in der Altstadt Suzhous
Laterne über einem Kanal in der Altstadt Suzhous

Ein altes chinesisches Sprichwort weiß:

Im Himmel gibt es das Paradies, auf Erden Suzhou und Hangzhou

Etwa zwei Stunden mit dem Zug von Hangzhou entfernt liegt das malerische Suzhou. Zusammen mit Hangzhou Spiegel des Himmels auf Erden. Weltbekannt ist es für seine Gärten und als das Venedig Chinas. Letzteres kann ich nicht vergleichen, atemberaubend schön ist es aber auf jeden Fall.

Shanghai

Ich in Shanghai
Ich in Shanghai

Letztes Wochenende war ich endlich in Shanghai. Eine beeindruckende Stadt, eine gigantische Stadt, ganz anders als Hangzhou. Während das Stadtbild hier von wogenden Hügeln mit Pagoden geprägt ist, zeigt Shanghai sich flach mit einem Hochhaus neben dem nächsten.

Zugfahren

War schon mal das erste Abenteuer. Ticket kostet zweiter Klasse 70RMB pro Fahrt, die dauert eine knappe Stunde. Unschlagbar. Man muss sein Ticket nur bekommen...

Holiday greetings with GenAI

Festive Greetings - ChatGPT and Midjourney
Festive Greetings - ChatGPT and Midjourney

Happy Holidays and festive greetings, powered by ChatGPT, Midjourney and a little bit of Photoshop.

Utilizing my Custom GPT for Midjourney prompts (open source on GitHub), I generated the image and some subtle variations in three rounds. Finally touching it up with a tagline in Photopea.