Ein Baum und seine Abenteuer



Arbeit, Arbeit, meeeehr Arbeit

Im Grunde bin ich ja hier für ein Praktikum ^^

Zeit also, auch darüber zu berichten.

Der Firmeneingang, grade zu majestätisch.
Der Firmeneingang, grade zu majestätisch.

Ich arbeite bei NetEase einem der größten Technologieunternehmen Chinas. Während sie im Inland durch ihre E-Mail-Provider und vor allem Anbieter von Mobilegames bekannt sind, kennt man die Firma in Deutschland eher durch ihren Musik Streaming Dienst, bei dem man sich als Schnupperangebot bis zu 2000 Lieder gratis runterladen kann. Und der anschließenden Debatte, ob das in Deutschland legal ist.

Die Firma teilt sich in Abteilungen, die jeweils für ein Produkt zuständig sind. Ich arbeite für XiuPin, eine Website, die globale Mode in China vertreibt. Hier arbeite ich als Front-End Entwickler. Mein grade abgeschlossenes Projekt war eine App für Lagerarbeiter, um Pakete zu packen. Als Front-End Entwickler bekomme ich dabei eine visuelles und ein interaktions Design vorgelegt und darf das dann implementieren. Das hat zu Anfang mega Spaß gemacht. Neue Herausforderungen, React (ein Werkzeug) lernen. Und dann fühlt man sich doch schnell wie der Tischler beim tausendsten, gleichen Stuhl. Wenn ich dann fertig bin, kommt die Quality Assurance Abteilung und testet meine Anwendung manuell auf Herz und Nieren (bis jetzt keine gefunden). Findet natürlich Haufenweise Bugs und auch viele Stellen, wo ich einfach nicht verstanden hab, was die chinesischen Erklärungen mir sagen wollten.

Viermal am Tag gibt es kostenloses Essen. (Hier ein Ausschnitt der Schlangen)
Viermal am Tag gibt es kostenloses Essen. (Hier ein Ausschnitt der Schlangen)

Der Komplex von NetEase liegt in einem Zentrum von Technologie Firmen, der Nachbar ist dann auch gleich Alibaba, so was wie das chinesische E-Bay und PayPal und haufenweise mehr. NetEase hat auch gleich zwei Campusse. Der Hauptcampus ist mit seinen drei Gebäuden gigantisch. Auch wenn eins nur als Empfangshallte fungiert. Es gibt außerdem ein Fitnessstudio, indoor und outdoor Basketball und Badminton Felder, Billardtische, einen Bogenschießstand, Tischkicker, ein Café und drei Stockwerke Hotel für Angestellt, die länger bleiben und Gäste von außerhalb. Die Zimmer in letzterem sind unglaublich komfortabel. Natürlich gibt es bis zu vier warme Mahlzeiten am Tag gratis dazu, die vierte für spät arbeitende gegen 22:30 Uhr. Das ganze Gelände lädt auch ein bissel zum Spazieren ein.
Der zweite Campus, auf dem ich auch arbeite liegt an der ersten Kreuzung gleich rechts etwa fünf Minuten gehen vom Hauptcampus. Hier stehen gleich fünf große Bürogebäude, die teilweise grade noch bezogen werden.

Unser Gebäude wurde erst vor kurzem fertiggestellt.
Unser Gebäude wurde erst vor kurzem fertiggestellt.

Meinen Platz habe ich auch mit der Zeit immer mehr bezogen. Anfangs hatte ich noch den aufgeräumtesten Platz, habe sogar meine Kabellage unterm Tisch sortiert und aus dem Weg gebunden. Dann sind auf meinem Tisch erst ein Papercut aus Shanghai, dann ein Franky Figur und als neueste Deko ein rosa Donkey-Kong eingezogen. Die letzten beiden stammen dabei von Aktionen der Firma, bzw. meine Abteilung. Bei all den Überstunden müssen die Leute ja bei Laune gehalten werden. So veranstaltet die XiuPin Familie öfter Aktionen. Es gab schon einen Team bildenden Ausflug (den ich leider Krankheitsbedingt verpasst habe), Kinderspiele am Kindertag, bei denen man Figuren gewinnen konnte und gestern einen Grillabend mit leckerem Essen und Fässerweise Bier.

Mein Arbeitsplatz wir so langsam heimelich.
Mein Arbeitsplatz wir so langsam heimelich.

Zur Arbeit komme ich mit einem Bus des Unternehmens, insgesamt fahren morgens und abends jeweils zehn Buslinien der Firma und sammeln Leute ein, bzw. bringen sie wieder nach Hause. Um im Bus von der Uni aus noch einen Platz zu bekommen, lohnt es sich schon 40 Minuten vorher in der Schlange zu stehen. Abends gibt es dann selbstverständlich noch auch noch spätere Busse, für alle, die Überstunden machen. Ahh die werden übrigens nicht bezahlt, das ist nicht üblich in China. Dafür ist es üblich, Überstunden und Samstagsarbeit zu verordnen. Dann kann man halt mal zwei Monate von 9 bis 21 Uhr arbeiten, kein Ding. Außer man ist ausländischer Praktikant, dann wird man vor die Wahl gestellt und gelobt, wenn man das lieber nicht machen will ^^

Das allmorgendliche Warten auf den Bus
Das allmorgendliche Warten auf den Bus

Das Praktikum lässt mich momentan vor allem ernsthafter darüber nachdenken, eine Doktorarbeit zu schreiben :D
Denn so Berufsleben mit jeden Tag über eine Stunde pendeln und dann acht Stunden arbeiten, von denen man so um die drei produktiv ist, muss ich mir das schon geben?
Die Erfahrungen, die ich hier sammele erscheinen mir jetzt schon wertvoll. Einfach mal ein mittelgroßes Projekt erleben, sehen, wo die Kommunikation scheitert, dass in der Realität wirklich niemand eine Dokumentation schreibt und es trotzdem irgendwie funktioniert.

Ich lerne hier viel und bin gespannt, wie es wird dann irgendwann mal in einer Firma zu arbeiten, die nicht mal mit kostenlosen Mahlzeiten aufwarten kann.

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